Die brasilianische Landlosenbewegung MST leistet einen mehrdimensionalen Beitrag zur Vertiefung und Erweiterung der Demokratie in Brasilien. Die Ambivalenz der Zielsetzungen und Strategien des MST spiegelt sich sowohl in seinem Verhältnis zur Zivilgesellschaft und zur Politik als auch in der Beziehung zwischen der Spitze der Bewegung und ihrer Basis. Die Erfolge des MST und seine Rolle als Demokratisierungsakteur haben dazu beigetragen, das auf Ausgrenzung basierende Herrschaftsmodell in Frage zu stellen. Seine ideologische Positionierung schwächt andererseits seine Verhandlungsmacht und trägt ihm den Vorwurf der autoritären Bevormundung seiner Basis ein. Die Versuche zur kollektiven Ermächtigung seiner Mitglieder ausgehend vom Bildungsansatz Paulo Freires wiederum könnten einen Prozess der Politisierung und Befreiung der Sem terra einleiten.