Der Mattersburger Kreis gratuliert sehr herzlich: Felix Dorn, ehemaliges Mitglied der JEP-Redaktion und Autor eines Beitrags im Journal für Entwicklungspolitik (JEP) 2021, wurde mit dem Hauptpreis des Österreichischen Preises für Entwicklungsforschung 2025 ausgezeichnet. Die Verleihung durch die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner fand am 16. Februar 2026 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie statt. Neben ihm wurde auch die Nachwuchswissenschaftlerin Anna-Maria Brunner (Univ. Innsbruck) geehrt.
Der seit 2013 alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung in Kooperation mit der OeAD-GmbH vergebene Preis würdigt herausragende Leistungen in der österreichischen Entwicklungsforschung. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit globalen Herausforderungen und den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen befassen – also mit Fragen, die weit über akademische Debatten hinausreichen.
Dass der Hauptpreis heuer an Felix Dorn geht, ist ein erfreuliches Signal. Seine Arbeiten zur politischen Ökologie der Dekarbonisierung greifen eines der brennenden Themen unserer Zeit auf: den ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft – und die damit verbundenen Macht- und Verteilungsfragen. Dorn zeigt eindrücklich, dass „grüne“ Transformationen nicht automatisch gerecht verlaufen. Im Gegenteil: Unter dem Schlagwort des „grünen Extraktivismus“ analysiert er, wie neue Formen von Rohstoffgewinnung im Namen der Energiewende bestehende Ungleichheiten verschärfen oder neue schaffen können.
Besonders bemerkenswert ist dabei sein Zugang: theoretisch fundiert, analytisch präzise – und zugleich tief in lokalen Kontexten verankert. Wiederkehrende Forschungsaufenthalte in Lateinamerika, der kontinuierliche Austausch mit lokalen Communities und insbesondere mit indigenen Akteur*innen prägen seine Arbeit. Forschung ist für ihn kein distanziertes Beobachten, sondern ein dialogischer Prozess. Die Perspektiven jener, die von politischen und ökonomischen Umbrüchen unmittelbar betroffen sind, stehen im Zentrum seiner Analysen.
Dass dieses Engagement weit über klassische Publikationsformen hinausgeht, unterstreicht die Auszeichnung zusätzlich. Felix Dorn nutzt innovative Formen der Wissenschaftskommunikation, um komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen: Gemeinsam mit lokalen Filmemacher*innen in Lateinamerika hat er zwei Dokumentarfilme realisiert, ergänzt durch eindrucksvolle Fotostrecken in internationalen Magazinen und Online-Plattformen. So wird Entwicklungsforschung nicht nur geschrieben, sondern erzählt – und für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich.
Für uns hat diese Auszeichnung auch eine sehr persönliche Dimension. Felix Dorn war fünf Jahre an der Universität Innsbruck tätig und in dieser Zeit bereits Teil unserer Diskussions- und Publikationszusammenhänge. 2021 veröffentlichte er im JEP einen Beitrag, der bereits damals seine analytische Schärfe und seine klare, strukturierte Argumentation erkennen ließ. Nach seiner Tätigkeit in Innsbruck arbeitete er zwei Jahre am Institut für Internationalen Entwicklung der Univ. Wien, bevor er an die BOKU wechselte, wo er seine Forschung nun weiter vertieft.
Sein Weg steht exemplarisch für eine Generation von Wissenschaftler*innen, die Entwicklungsforschung nicht als Nischendisziplin verstehen, sondern als kritisches, transdisziplinäres Feld an der Schnittstelle von globaler Gerechtigkeit, Klima- und Ressourcenpolitik sowie gesellschaftlicher Transformation. Die Laudatio wurde von Karin Küblböck von der Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung gehalten – ein weiterer Hinweis darauf, wie stark diese Auszeichnung in der österreichischen entwicklungspolitischen Community verankert ist.
Wir gratulieren Felix Dorn sehr herzlich zu dieser hochverdienten Ehrung. Seine Arbeit zeigt, wie exzellente Forschung, gesellschaftliche Verantwortung und dialogische Wissensproduktion zusammenwirken können. Für uns ist klar: Diese Auszeichnung würdigt nicht nur eine beeindruckende wissenschaftliche Leistung – sie bestärkt auch eine Form von Entwicklungsforschung, die hinschaut, zuhört und globale Zusammenhänge kritisch beleuchtet.
Foto: © BKA/Tarek Wilde
Zum Foto: Verleihung Entwicklungsforschungspreis 2025: Bundesministerin Holzleitner (l), Hauptpreisträger Felix Dorn, Nachwuchspreisträgerin Anna-Maria Brunner sowie OeAD-Geschäftsführer Jakob Calice (r)
>> Bericht auf der OeAD-Website, mit der Laudatio von Karin Küblböck
>> JEP-Artikel von Felix Dorn: Inequalities in resource-based global production networks: resistance to lithium mining in Argentina (Jujuy) and Portugal (Região Norte)
>> Medienberichte von und mit Felix Dorn:
Proteste gegen Lithium Abbau in Argentinien, Interview mit Felix Dorn // ORF – YouTube
Bajo La Sal [Below The Salt] Full Documentary by Emiliano Bazzani and Felix Dorn – YoutTube
