Auftaktveranstaltung im Vorfeld der 10. Österreichischen Entwicklungstagung (Fokus SDG 8)
Datum: Dienstag, 20. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Ort: C3 – Bibliothek für Entwicklungspolitik, Sensengasse 3, 1090 Wien
Wankt der globale Kapitalismus?
Lieferkettenkrisen, Sanktionsregime und neue Handelsbarrieren prägen die Gegenwart. Von einer reibungslosen, hyper-globalisierten Weltordnung, die um die Jahrtausendwende ihren Höhepunkt erreichte, kann Mitte der 2020er-Jahre keine Rede mehr sein. Wir erleben eine tiefgreifende Transformation, die über gewöhnliche, zyklische Wirtschaftskrisen weit hinausgeht. Das wirft eine fundamentale Frage auf: Trifft der Begriff des globalen Kapitalismus überhaupt noch auf unsere Welt zu? Erleben wir den unaufhaltsamen Zerfall der Globalisierung oder den Übergang zu einer neuen, blockbasierten Weltordnung?
Wenn die alten, westlichen Zentren erodieren, verändern sich auch die Bedingungen für Arbeit, Wachstum und Verteilung weltweit. Diese geopolitischen Verschiebungen berühren den Kern des Nachhaltigkeitsziels 8 (SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum); dieses wird Thema der nächsten Entwicklungstagung sein, zu der diese Buchpräsentation eine erste Vorveranstaltung darstellt.
Das Buch und die Debatte der Zugänge.
In ihrem neuen Werk „Globalisierung im Übergang“ (Promedia 2026) analysiert die Historikerin Andrea Komlosy das Ende der globalen ökonomischen Einheit. Sie zeigt, dass sich die ökonomische Rationalität der Kapitalverwertung zunehmend geopolitischen Interessen beugen muss. Einem schrumpfenden transatlantischen Block steht ein aufstrebender eurasisch-pazifischer Block (BRICS+) gegenüber. Zeichnet sich hier ein „chinesisches Jahrhundert“ ab oder bricht das kapitalistische Weltsystem als Ganzes zusammen?
Auf dem Podium bringen wir drei unterschiedliche, komplementäre Perspektiven zusammen, um diese Zukunftsszenarien zu diskutieren:
- Historische Langzeitanalyse: Andrea Komlosy ordnet die aktuellen Brüche in die langen Wellen der Globalgeschichte ein.
- Kritische Politische Ökonomie: Johannes Jäger beleuchtet die makroökonomischen Regulierungen, das Finanzsystem und die ungleiche Entwicklung in Zeiten der Krise.
- Materialflussanalyse (Social Metabolism): Anke Schaffartzik bringt die stoffliche Dimension ein: Trotz politischer Blockbildung und ökonomischer Fragmentierung bleibt der globale Hunger nach Material- und Energieflüssen untrennbar miteinander verflochten. Befindet sich die Globalisierung realstofflich überhaupt im Rückgang?
Diese Veranstaltung bildet den offiziellen Auftakt für die inhaltliche Vorbereitung der 10. Österreichischen Entwicklungstagung. Gemeinsam mit dem Publikum diskutieren wir über Geopolitik, die Zukunft der Arbeit und die Neugestaltung globaler Ressourcenströme.
Programm:
- Impuls & Buchvorstellung:
Andrea Komlosy stellt ihr Buch vor: „Globalisierung im Übergang. Zerfall, Teilung oder Erneuerung des Weltsystems“ (Promedia Verlag). - Podiumsdiskussion:
- Andrea Komlosy (Universität Wien)
- Johannes Jäger (Fachbereichsleiter VWL, FH des BFI Wien)
- Anke Schaffartzik (Central European University – CEU)
- Publikumsforum & Ausblick:
Gemeinsame Diskussion und Weichenstellung für die thematischen Schwerpunkte der kommenden 10. Österreichischen Entwicklungstagung. - Ausklang:
Informeller Austausch und Vernetzung bei Brot und Wein.
Biografische Informationen zu den Vortragenden
- Andrea Komlosy, Prof.in Dr.in, ist renommierte Wirtschafts- und Sozialhistorikerin und lehrte jahrzehntelang als Professorin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Globalgeschichte, den Theorien des Weltsystems sowie der historischen Transformation von Arbeitsverhältnissen. Sie ist eine der profiliertesten Stimmen im deutschsprachigen Raum zu den langen Wellen der globalen Ökonomie.
- Johannes Jäger, FH-Prof. Dr., ist Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der FH des BFI Wien. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Kritische Internationale Politische Ökonomie, das globale Finanzsystem sowie ungleiche Entwicklung und Industrialisierung. Er gilt als ausgewiesener Experte für die Dynamiken globaler Krisen und makroökonomischer Regulierungen.
- Anke Schaffartzik, Assoc. Prof.in Dr.in, forscht und lehrt am Department of Environmental Sciences and Policy an der Central European University (CEU) in Wien. Ihr Hintergrund liegt in der Sozialen Ökologie und der Ökologischen Ökonomie. Sie untersucht aus einer materialistischen Perspektive (Social Metabolism), wie der internationale Handel und ungleiche Ressourcenströme globale Ungleichheiten zementieren oder verändern.
Zum Buch:
Komlosy, Andrea: Globalisierung im Übergang. Zerfall, Teilung oder Erneuerung des Weltsystems. Promedia 2026. ca. 280 S. Print: € 27,00. ISBN: 978-3-85371-562-8.
